Freitag, 2. September 2011

Tag 12 - Ruhrpott-Geschichte

Am freien Tag in Düsseldorf fuhr ich mit dem Zug ins nahegelegene Duisburg, wo sich der Industriepark Nord befindet, wo früher in fünf Hochöfen Roheisen hergestellt wurde. 1985 (?) wurde die Anlage stillgelegt. Nach und nach wurden die beeindruckenden Anlagen einer anderen Nutzung zugeführt. Im Gasometer wird getaucht, in der Kraftzentrale werden kulturelle Veranstaltungen durchgeführt, im Park Open-Air Konzerte (Red Hot Chili Peppeers) gespielt, im Kohlelager geklettert, ... Das ganze ist eingebettet in eine Parkanlage und man überlässt das Gelände wieder der Natur. Man kann Velos mieten und durch den Park herumkurven. Auf den einen Hochofen (ca. 80m) kann man hinauf.
Wer schon einmal in Däniken auf dem Klo war,
dem kommt dieses Plakat bekannt vor ;)
(Gibt's im dortigen Shop für 20€.)


Hochofen 5 (rechts) und sein Kumpel - die anderen wurde abgerissen

Unterste Ebene, wo alle paar Stunden riesige Mengen Eisen rauskamen

Heissluftgebläse

An dieser Winde wurde die Behälter mit der Erzmischung
und Kohle nach oben gezogen


















Am Abend traf ich mich dann noch Keno. Wir hatte einen gemütlichen und lustigen Abend in einem italienischen Lokal, der leider viel zu früh zu Ende ging, weil ich befürchtete nicht mehr in die Jugendherberge hineinzukommen. Die Fronttür war zwar verschlossen, der Hintereingang stand jedoch offen ...

Mittwoch, 31. August 2011

Tag 11 - Der alte Mann aus Monheim

Am Tag 11 fuhr ich von Bad Honnef bei Bonn, via Köln, Leverkusen und Monheim nach Düsseldorf. Monheim, noch nie gehört. Ich auch nicht, seit ich erfahren hatte, dass mein "Diplomvater" Keno Albrecht (He, wo ist meine Diplomarbeit?) in dieser historischen Stadt einen Grossteil seiner Jugend verbrachte. Ich hatte eigentlich erst für den Tag danach mit ihm abgemacht, aber da die "Erlebnis-Rhein-Schiene" (so heisst der Radweg manchmal) durch Monheim führt, beschloss ich spontan bei seinem Elternhaus vorbeizuschauen. Nun denn, wenn man ein iPhone hat, dass sich seit Bad Honnef mit "No Service" meldet und man keine Ahnung hat, wo die "Maria Montessori Strasse" ist und auch sonst niemand in der Stadt, ist das eine ziemlich schwierige Aufgabe.

Hätte es da den freundlichen, etwas naiven älteren Mann nicht gegeben, der auch jeden Tag Rad fährt und gerade in der Stadt war um Besorgungen zu machen, wäre ich wohl nie erfolgreich gewesen. Er führte mich schliesslich ins Einwohnermeldeamt, wo ich einen Stadtplan erhielt. Da der Mann gemäss eigener Aussage eh nichts zu tun hatte, war er so freundlich und begleitete mich bis zur gesuchten Strasse, die sich notabene in einem anderen Stadtteil (Baumberg - "Da müssen'se die Bomberger Schossee lang fahren...") befindet. Was er so zu erzählen wusste, war ganz interessant. Da würde man immer so Zeugs wie Mobiltelefone erfinden, würde jedoch die Sache nicht zu Ende denken. Die müsse man doch jede Woche aufladen. Er wisse das von seiner Schwester, die habe so ein Ding. Auch weshalb man Elektrofahrräder aufladen müsse, verstehe er nicht ganz. Ich erzählte ihm, dass ich schon 10 Tage unterwegs bin von Basel aus. Wie viele Kilometer ich denn so mache pro Tag, bestimmt so 20-30 Kilometer, meinte er im Anschluss an seine Frage. Unterhaltsam war's so oder so und etwas Abwechslung tut auch gut.

In dieser guten Stunde Suche in Monheim vergass ich wie schlecht es um die hintere Scheibenbremse steht. Sehr schlecht nämlich, es rattert und knattert manchmal furchterregend. Auf meiner Radkarte sind einige Werkzeugsymbole vorhanden, die Fahrradgeschäfte anzeigen. Leider ist diese Karte nicht super genau und das Symbol deckt ein halbes Quartier ab. Anders gesagt, man muss sich durchfragen, so wie in Bonn geschehen - leider erfolglos. In Köln hatte ich hingegen Erfolg bei der Suche nach Beinahe-Aufgabe. Doch der dortige Inhaber konnte mir nicht helfen. In Hitdorf kurz vor Monheim hatte ebenfalls ein Werkzeugsymbol. Der Shop war einfach zu finden, aber die machten einen Kurzurlaub seit dem heutigen Tag.

Dafür gibt's eine Erfolgsmeldung von der iPhone-Front: die "No Service"-Anzeige ist weg. Ein Neustart wirkt auch bei Handys manchmal Wunder. Auf diese Idee hätte ich auch früher kommen können/sollen/müssen...

Rhein kurz nach Königswinter / Bad Honnef

Blick Richtung Süden bei Bonn

Am Kölner Dom fuhr ich auch vorbei

Schluss mit Natur: die Leverkusener Industrie (Bayer)

Düsseldorf mit Fernsehturm und Rheinknie-Brücke

Montag, 29. August 2011

Tag 10 - Ich hasse Scheibenbremsen

Heute am 10. Tag von St. Goar nach Bad Honnef war's relativ mühsam. Das Fahrrad zeigt Ermüdungserscheinungen - die hintere Scheibenbremse ist wohl durch. Nein, keine Angst daheimgebliebene, sie bremst schon noch. Leider jedoch auch ohne Betätigung bei normaler Fahrt. Wenn sie aktiv betätigt wird, funktioniert sie zusätzlich als akustisches Warnsignal: es quietscht und knattert fürchterlich. Ich brems von nun an nur noch mit der Vorderbremse, was im Normalfall - es ist ja alles flach - völlig ausreichend ist, und schau mich nach einem Fahrrad-Geschäft um.

Mühsam war's auch bzgl. Wetter. Nicht dass ich wieder 35 Grad und mehr wünsche, aber ein wenig wärmer als 20 Grad dürfte es schon sein. Sonnencreme braucht man auch keine mehr. Dafür bläst einem ein mühsamer Wind ins Gesicht, der viel stärker ist als der reine Fahrtwind. Immerhin sind meine Regensachen immer noch zuunterst in der Velo-Tasche.

Das mit dem Fahrrad-Geschäft ist schwierig an einem Sonntag... Ich versuchte wenigstens meinen dreckigen Untersatz wieder sauber zu kriegen. Vermutlich hat sich ein Drecklein in die Scheibenbremse hinein gekämpft und kommt nicht nun nicht mehr von selbst raus; so jedenfalls meine Vermutung. Nur bestätigen oder entkräften konnte ich dies nicht: Self-service Auto-Waschanlagen sind nämlich wirklich nur für Autos - aha. Ist zwar logisch, wer hätte jedoch gedacht, dass die mit irgendeinem Sensor ausgestattet sind und nur anspringen, wenn etwas in der Grösse eines PKWs oder Motorrads drunter steht. Nun denn, bin ich halt stolzer Besitzer von m.o.s.s. Car Wash Münzen im Wert von 1.50€. Wenn jemand zufällig nach Andernach geht, kann er gerne meine Münzen haben.


















Landschaftlich war's von St. Goar nach Koblenz am schönsten; auch weil's wenig Verkehr hatte und es noch morgen war; ich liebe es am morgen zu fahren. Danach war es nicht mehr sonderlich toll - oft fährt man direkt einer stark befahrenen Strasse entlang und auch die Landschaft steht in starkem Kontrast zur Strecke davor.

Vor Koblenz


Schliesslich gönnte ich mir - wie jeden Abend - ein Weizenbier zu einem feinen Abendessen, nach Möglichkeit eine regionale Spezialität oder dann halt wie an diesem Tag einen Burrito.

Nach knapp 100 Km darf man das!

Menu am Tag davor: Rheinischer Sauerbraten,
Kartoffel-Knödel mit Rotkraut