Radelt quer durch Europa, macht Abstecher nach Brest oder radelt den Jakobsweg Camino del Norte. *** Obwohl immer noch velowärts unterswegs, wird der Blog nicht mehr weiter geführt. Und bald nur noch unter www.velowaerts.ch erreichbar (nicht mehr www.velowärts.ch)
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Am Sarnersee gewitterte es bereits am morgen früh. Auch der Regen wollte nicht aufhören. Ich musste das Zelt im Regen zusammenpacken. Aufzuhören zu regnen hat es dann erst etwa in Sursee. Aber da war ich bereits durchnässt; von innen und von aussen. Zudem machte ich den Fehler, dem dreckigen Feldweg zu folgen. Ohne "richtige" Schutzbleche ist das keine allzu gute Idee. Der Pflotsch und Dreck spritzt überall hin, auch auf das Gepäck. Meine selbstgebastelten Schutzblech-Erweiterungen aus einer zwei halben Evian-Flaschen kamen zum ersten Mal zum Einsatz. Trotzdem wurde alles dreckig und nass. Ich war froh, das nasse Zelt nicht erneut aufstellen zu müssen und nicht nasse gegen feuchte Kleider zu tauschen.
Nach knapp vier Stunden Regenfahrt ging die letzte Etappe und damit meine Tour-de-Suisse zu Ende. Weitere Projekte schwirren bereits in meinem Kopf herum: von Bergen nach Chiasso (Nord-Süd) oder von Samnaun nach Genf (Ost-West), Dres Balmers "Querpass" nachfahren. Oder etwas grösser: Nordseeküsten-Radweg, Quer durch die USA, ...
Spritzschutz aus einer Evian-Flasche gebastelt
Schutzblech-Erweiterung vorne
Trotzdem wurde alles ziemlich dreckig und nass
Sonst war das Wetter schön, wie an meinem Radfahrer-Bein unschwer zu erkennen ist.
Nun kann sich der Finger wieder parallelisieren:
Radfahrer-Finger - durch andauernden Druck auf die Handnerven kriegt man temporär den kleiner Finger nicht mehr parallel zu den anderen. Auch die Fingerfertigkeit und die Kraft in den Händen fehlt.
Was könnte besser passen zu einer Schweiz-Umrundung als ein Schwingfest zu besuchen. Der Zufall wollte es, dass in Sarnen das diesjährige Innerschweizer Schwing- und Älplerfest statt fand. Trotz miserabler Wetterprognosen für diesen Sonntag und den darauffolgenden Montag beschloss ich, meine Reise noch um einen Tag zu verlängern. (Der Sonntag morgen wäre noch trocken gewesen, um das letzte Stück Strassse unter die Räder zu nehmen. Danach regnete es quasi ununterbrochen bis ich pflotschnass zu Hause ankam.)
Ein Schwingfest sollte jeder Schweizer einmal besucht haben: So friedlich, so langweilig, so urchig.
Friedlich deshalb, weil es keine Eingangskontrollen, keine Taschenkontrollen und keine grimmigen Security-Leute gibt. In den ersten Gängen wurde mein Stehplatz-Ticket noch kontrolliert. Bei den beiden letzten Gängen und beim Schlussgang wurde nicht mehr kontrolliert. Vermutlich kapitulierten die bedauernswerten Ticketkontrolleuere vor dem Regen. Es gibt vier Ticketkategorien. Die gedeckten und ungedeckten Tribünenplätze, sowie die Rasensitzplätze waren ausverkauft. Mit der vierten Kategorie "Stehplatz" kann man sich nur zwei Meter neben einen der Sägemehlringe auf ein Holzbrett setzen und das geschehen hautnah verfolgen. Ab und zu kriegt man ein wenig Sägemehl ab und man muss aufpassen, dass man von keinem "Bösen" überrollt wird. Setzt Regen ein, setzt man sich einfach auf die Tribünentreppe ins trockene. Man stelle sich vor, wenn man dies im Joggeli machen würde.
Langweilig deshalb, weil man sieben Kämpfe gleichzeitig verfolgen "muss" und nicht recht weiss, wer da gerade wen über's Knie bugsiert. Eine Videoleinwand sucht man vergebens. Digitalanzeigen auch. Das einzige was es gibt, sind manuell bediente und gedrehte Tafeln, auf denen die Startnummern der Schwinger steht: eine rote Zahl und eine schwarze Zahl. Welcher Nummern zu wem gehört, wusste ich nicht. Die Athleten tragen keine Startnummern. Später fand ich heraus, dass der alphabetisch Erstere immer die helle Schwingerhosen trägt, der letztere die dunklere. Zwischenstände weiss der Schwingfest-Neuling auch nicht. Im Internet sucht man vergebens nach einem Live-Ticker oder -Resultate. Diese kann man nach jedem Gang für einen Franken käuflich erwerben.
Urchig deshalb, weil währenddem die Schwinger "an der Arbeit sind" (dies kommentierte der Platzspeaker tatsächlich so), die Lebendpreise demonstriert werden, das lokale Jodlerchörli ein Lied zum besten gibt und morgens schon Wurst und Bier konsumiert wird. Zudem wird man ständig von Ländlermusik berieselt. Während dem die Lebendpreise - der Hauptpreis war der Stier "Rocki" - zwei Runden in der Arena drehen mussten, las der Speaker die Leistungsdaten und den Stammbaum des Zuchtbullen vor. Dass der Stier einmal nur wenige Meter von an boden hockenden Kindern entfernt aufbockte, schien niemanden zu stören. Mehrmals musste der Züchter kräftig am Nasenring ziehen, damit das Tier im Wert eines Mittelklasse-Wagens weiterlief.
Er hier stand schon gestern für Didier Cuche auf der Aelggialp im Einsatz.
Hauptpreis ist der Stier "Rocki"
Zwei von drei Wettkampf-Richtern und die "Täfelibuäbä"
Die besten Werfen den 67-kg-Stein über vier Meter weit. Einige kriegten ihn kaum hoch.
Das Ziel heute war die Aelggialp, wo sich der geographische Mittelpunkt (Flächenschwerpunkt) der Schweiz befindent. Die Freude war gross, als ich das folgendes Schild entdeckte:
Nur blöd, dass es bereits halb zehn war, das Schild in Sachseln stand und die Aelggialp mehr als 1100 Meter Höhenmeter oberhalb liegt. Das schafft nur Bergfloh Beat Breu. Mit meiner Steigrate - ohne Gepäck - von 12 m/min würde das also knapp werden.
Apropros Beat Breu, ein Video möchte ich euch nicht vorenthalten:
Ich war nicht allein. Andere Biker nahmen ebenfalls den steilen und schmalen Weg auf sich. Links erhebt sich eine Felswand und rechts geht's recht krass den Wald hinunter. Immer wenn eine Autokarawane sich von hinten näherte, wechselte ich die Strassenseite, um auf der sicheren Strassenseite auszuklinken und die Autos durchzulassen. Zu Beginn verfluchte ich den regen Verkehr. Warum musste ich bloss ausgerechnet an jenem Tag auf die Aelggialp fahren. Doch bald war ich froh um die zahlreichen Pausen zum verschnaufen und einen, zwei, drei Schluck Wasser zu trinken.
Es hatte jedoch einen Grund, weshalb immer noch so viele Vierräder hochfuhren. Oben angekommen war bald klar, dass der offizielle Festakt mit Ehrung und Laudatio für den Schweizer des Jahres noch bevorstand. So blieb mir noch genug Zeit, einen Liter Wasser aufs Mal zu trinken - die 1.8 Liter aus Sarnen gingen beim Aufstieg in den Magen - und gemütlich zum symbolischen Mittelpunkt zu spazieren.
Das Wetter war fantastisch. Keine Wolke in Sicht. Auch vom für den Nachmittag vorausgesagten Gewitter noch keine Spur. Entsprechend viele Leute versammelten sich. Bei der Ehrung von Lotti Latrous 2004 habe es fast geschneit, meinte etwa ein Vertreter vom lokalen Steinmannli-Klub. Im Mittelpunkt der Schweiz(er) stand heute kein geringerer als Didier Cuche. Nachdem Gian Gilli, dem ehemaligen Chef Leistungssport von Swiss Ski, in seiner überlangen Laudatio nochmals auf den fehlenden Olympiasieg Cuches hinwies, und ein paar Anektoden zum besten gab (Cuche: "Wir brauchen neue Skianzüge. Die alten sind wie Pyjamas."), wurde endlich der Stein enthüllt mit seinem Namen drauf. Vom Stein habe ich kein Foto. Es hatte schlicht zu viele Leute. Und alle wollten etwas von Didier:
Didier im Mittelpunkt der Schweiz(er)
Ich schlich mich davon, machte noch ein paar Fotos von der grössten Alp Sachselns und ass eine grosse Portion Älplermaggronen.
Zahlreiche Augen und Linsen waren auf den Ski-Star gerichtet.
Der Ski-Klub Flüeli-Ranft stand Spalier.
Viel Folklore gehört zu einem solchen Anlass.
Aelggialp auf 1650 Meter über Meer. Der eigentlich richtige Mittelpunkt der Schweiz liegt schwer zugänglich in den Felsen links.
Für den Weg runter investierte ich erst nochmals gut 200 Höhenmeter an Höhe, um via das Sachsler Seefeld ins Kleine Melchtal zu gelangen. Dort war es lange wenig steil. Danach ging's aber krass runter: 15% und mehr über längere Zeit. Das überlebte mein hinterer Bremsbelag nicht. Unten in Kaiserstuhl am Lungernsee angekommen hatte ich nur noch die Vorderbremse zur Verfügung.
Es war wieder einer dieser lauen Sommernächte, in denen ich ein Super-Feature meines Zeltes einsetzen durfte: nur durch ein Moskito-Netz getrennt den Sternenhimmel schlafen. Die Sterne selbst erkenne ich mit meinen -5.5 Dioptrien zwar nicht, aber es ist trotzdem wunderbar, so einschlafen zu dürfen. Überhaupt schlafe ich sehr gut auf der schmalen Term-A-Rest Aufblas-Matte. Nur die Anzahl Einschlafpositionen ist stark limitiert und gegen morgen wird es schon ein wenig hart. Einmal schmerzte mir auch die Hüfte, weil ich zu lange auf der Seite gelegen haben muss und sich Druckstellen entwickelten.
Ausgeschlafen packte ich meine Sieben-Sachen und fuhr in klarer Morgenluft dem Walensee entlang Richtung Glarner-Land mit dem Ziel Netstal, wo der Pragelpass beginnt und einem durch das traumhafte Klöntal führt. Ein entgegenkommender Wanderer sagte zu mir, ich solle nicht zu schnell fahren, sonst ginge es viel zu schnell vorbei.
Klöntaler See bei Seerüti, Blick Richtung Osten
Klöntaler See bei Vorauen, Blick Richtung Osten
Das Mini-Stativ kam auch auf dem Pragelpass zum Einsatz - diesmal ist das Passchild mit auf drauf.
Die Abfahrt hinunter nach Muotathal ist nicht so toll. Ständig ist geht es sehr steil runter (15%) und man ist ständig in Intervallen am Bremsen. Auf dem schmalen und verwinkelten Strässchen durch den Wald sieht man nicht viel, auch entgegenkommende Autos nicht oder erst sehr spät. Deshalb muss man immer auf der Hut sein, sehr aufmerksam und angepasst fahren. Unten angekommen tun einem dann die Arme weh und die Hände brauchen erst mal ein wenig Erholung. Wenn es immer so wäre, würde ich wohl lieber aufwärts als abwärts fahren. In Intervallen bremsen deshalb, damit die Bremsen nicht überhitzen. Warm wurden die Bremsen trotzdem und brauchten etwas Kühlung (Ton einschalten):
Ab Muotalhtal bis nach Brunnen verliert man auch noch Höhe, allerdings nicht mehr viel aufs Mal und man hat des Radfahrers grössten Feind gegen sich: den Gegenwind (Bei Steigungen weiss man wenigstens, weshalb es nicht schneller geht, und im Normalfall wird es anschliessend kompensiert). Typischerweise bläst einem der Talwind an schönen Sommertagen wie diesem talabwärts ins Gesicht. Das Wallis hinauf durfte ich davon profitieren.
In Brunnen ging ich in den Kiosk-Laden beim Schiffsteg und kaufte mir zwei Glacen und ass den Nussgipfel, der vom Zmorge noch übrig blieb. Kein ungewöhnlicher Zmittag in diesen Tagen. Auf dem Schiff entspannte ich mich mit klassischer Musik in und angenehmen Wind um die Ohren bis nach Beckenried. Von dort fuhr ich über die kleine Anhöhe bei Ennetmoos bis nach Sarnen, wo gerade die letzten Vorbereitungen für das Innerschweizerische Schwing- und Älplerfest stattfanden.
Vierwaldstättersee-Panorma zwischen Beckenried und Buochs
Kantone: alle ausser Zug und die beiden Appenzell; dazu Liechtenstein, Vorarlberg (A), Baden-Würtenberg (D), Elsass (F), Lombardei (I)
Pässe: Oberalppass 2046, Challpass 790, Col de la Croix 789, Mont Soleil 1248, Col de Marchairuz 1447, Simplonpass 2006, Passo del Monte Ceneri 557, Malojapass 1815, Flüelapass 2383, Pragelpass 1550, Älggialp 1638
Radtage: 18
Ruhetage: 6
Distanz: 1740 km
Fahrdauer: 92 h
Schnitt: 19 km/h
Höhenmeter: 20'000 m
Wetter: mehrheitlich schön und warm; die ersten par Tage kühler und weniger sonnig, aber angenehm; ab Möhlin sommerlich warm bis und mit gestern Sonntag
... was nun noch folgt, ist ein Besuch beim geografischen Mittelpunkt der Schweiz: der Alggiälp oberhalb Sachseln. Die Strasse ist steil, verdammt steil: 20% und mehr gemäss Quäldich.de. Daurm werde ich in Sachseln zwei Tage bleiben und ohne Gepäck auf die Alp keuchen. Wie ich dorthin komme, ist noch nicht ganz fix. Der Weg zurück nach Aarau auch nicht.
Doch das wichtigste heute ist: ich habs geschafft. Die Schweiz ist umrundet. In den letzten 16 Tagen sass ich an 12 Tagen für Total ca. 65 Stunden auf dem Sattel, fuhr gut 1250 km und bewältigte fast 14'000 Höhenmeter.
Es machte Riesenspass, die Schweiz so kennen zu lernen. Die wechselnden Dialekte und Sprachen. Von Deutsch mit dem "coolen" Bündner Dialekt, dem "nasalen" Ostschweizer, via Schafhuuser zu den Bebbis und schliesslich ins Welschland. Sorry, hier konnte ich keine Dialekte mehr unterscheiden. Ich war froh, wenn man mein Anliegen einigermassen verstand. In Brig dann haben sie mich verstanden, ich sie aber nur mit Mühe. Dann musste ich mich zwei Mal mit italienisch rumschlagen. Wobei, Locarno ist sowas wie das Mallorca der Schweiz: man spricht und versteht deutsch. Am Lago di Como und im Bünderischen Bergell spricht man italienisch. Damit ist Graubünden der einzige Kanton, in dem drei Landessprachen gesprochen wird. Denn ab Maloja wird rätoromanisch und in Zernez sprach man bereits wieder Deutsch. An jenem Tag (gestern) habe ich also nicht nur die Wasserscheide Mittelmeer - Schwarzes Meer überquert, sondern auch drei Sprachregionen durchquert. Überhaupt war ich an keinem Tag in nur einem einzigen Kanton, ausser von Disentis nach Chur. Das war aber noch vor der eigentlichen Umrundung.
Bevor ich den Kreis schliessen konnte, muss ich mich zuerst auf das Dach der Tour, dem Flüelapass auf 2383 M.ü.M., hieven. Der Flüelapass ist ganz schön anstrengend. Es gibt nur ein relativ kurzes, flacheres Stück im Mittelteil (4% - alles ist relativ). Starten tut er mit 10% und mehr. Und am Schluss, wo die Luft dünner und dünner wird, sind es auch noch 7-8%. Gegen Schluss ging mir fast ein wenig die Puste aus. Die dünne Luft machte mir zu schaffen. Ich glaub, auf dem einen Foto sieht man mir an, dass ich ziemlich kaputt bin. Danach hiess es, fast 2000 Höhenmeter bergab bis in Rheinebene radeln bei sommerlich warmen Temperaturen. Gestoppt habe ich in Murg, wo ich direkt am Walensee mein Zelt aufstellte.
Flüelapass auf ca. 2000m
Flüelapass, knapp oberhalb Baumgrenze
Man kann noch Ski fahren am Flüelapass :-)
Seitental auf ca. 1900m
Schade, hat der Ostschweizer, der das Foto machte und selber auch Pässefahrer ist, das Passschild nicht mit drauf genommen :-(
Der Malojapass ist doof. Nach getaner Arbeiter darf man sich nicht auf einer tollen Abfahrt erholen. Von Sorico am Lago di Como auf 200 geht es auf über 1800 Meter über Meer - und bleibt erst mal auf dieser Höhe bis St. Moritz. Erst dort wo auch die Bob-Fahrer in die Tiefe stürzen, verliert man ca. 100 Höhenmeter. Danach ist es wieder flach. Bis nach Zuoz die schöne Abfahrt hinunter nach Zernez beginnt und man weitere 200 Höhenmeter verliert. Hier habe ich mein Zelt aufgestellt, da es (in) "Susch" ein paar Kilometer weiter unten für mich wieder hinauf gehen würde. Morgen darf ich dann die noch fehlende potentielle Energie von ca. 1.5 Mega-Joule vernichten :-) (*)
Trotz fehlender Abfahrt war heute die schönste Etappe. Zuerst die flachen 30 Kilometer bis Chiavenna, wo der Splügen- und Malojapass beginnen, durch morgendliches Sommerwetter zum einrollen. Dann der abwechslungsreiche - sowohl landschaftlich als auch von der Steigung her - Aufstieg zum Malojapass, die Fahrt den malerischen Silvaplaner und Silser See entlang, das Oberengadin und durch die Inn-Schlucht zwischen Zuoz und Zernez. Bob Ross, der kultige Hippie-Landschaftsmaler - hätte die Szenerien nicht schöner malen können :-)
Laggo di Mezzola zwischen Lago di Como und Chiavenna
Kurzer Naturtunnel nach gleich nach Promontogno (bereits CH)
Irgendwo bei der Hälfte des Aufstiegs, wo's etwas flacher ist
Serpentinen-Gruppe vor der Passhöhe - da schlägt jeder Velofahrer-Herz höher: 300 Höhemeter innert 3-4 Kilometer
Kurz vor dem happigen Schlussaufstieg
Geschafft! Das nächste Foto wäre besser, aber da viel gleich vor dem Selbstauslöser das Velo um :-)
Lej da Segl (Silsersee)
St. Moritz
Im Oberengadin bei Zuoz werden Strausse gezüchtet
Bei Zernez
*) entspricht dem noch verbleibenden Höhenunterschied von 1200 Metern einer Masse von 95 + 15 + 15 kg
Die malerische Küstenstrecke zwischen Cernobbio und Sorico dem Lago di Como musste erduldet werden. Durch die Magadino-Ebene nach Cadenazzo war's noch ein gemütliches einrollen. Den Monte Ceneri habe ich mir schöner, sprich v.a. leiser, vorgestellt. (Warum müssen auch Lastwagen darüber donnern?) Ohne Zmorgen im Bauch war das eine kleine Qual. Normalerweise fahre ich immer erst eine halbe Stunde, Stunde, um dann gemütlich an einem schönen Plätzchen zu frühstücken. Dieses Plätzchen wollte heute einfach nicht kommen. Bis Lugano nicht. 45 km nach dem Start durfte ich endlich die vom Packriemen zerdrückten Gipfeli in die halbzerflossene Butter tunken. Nachdem verspäteten Frühstück fuhr ich weiter über Melide Richtung Chiasso und italienischer Grenze. Pflichtstoff bei fast 30 Grad.
Danach folgte die nicht mehr enden wollende Kür. Nicht endent wollend, deshalb, weil es heute so toll rollte und die Landschaft nicht aufhören wollte, von mir bestaunt zu werden. Das ursprüngliche Ziel war Menaggio gewesen. Doch dort war bereits James Bond mit seinem wasserbetriebenen Raketenanzug:
Ein Beiboot pumpt Wasser hoch (schwarzer Schlauch), das über die Düsen für die nötige Gegenkraft sorgt.
Über einen solchen Antrieb verfüg ich nicht. Heute waren es wieder einmal Biberli, die für einen Teil der Energie-Versorgung des Ketten-Antriebs zuständig waren. (Im Migros Lugano-Paradiso zum halben Preis: 12 Stück für 2 Franken 60 :-) Die Energie-Versorgung klappte heute ganz gut. Ich hatte gute Beine. Nach Menaggio liess ich zahlreiche idyllisch gelegene Zeltplätze aus bis ich schliesslich einen ganz schön gelegenen Camping-Platz direkt am Ufer fand. In Sorico, ganz am nördlichen Ende des Lago di Como.
Zeltplatz-Panorama in Sorico
Die Fahrt dem Como-Sees entlang zähl ich zu den Highlights. Man fährt durch zahlreiche malerische Dörfchen, zum Teil so eng, dass ich keine Autos kreuzen können. Der Hauptverkehr wird meist über die Hauptstrasse etwas oberhalb der Küstenlinie oder durch Tunnels geschleust. Damit Rad-Fahrer, v.a. Rennrad-Fahrer, nicht durch die dunkeln, lauten und gefährlichen Tunnels müssen, existieren um die Tunnels herum bestens ausgebaute Radwege. Sogar mit Picknick-Plätzen an besonders schönen Orten mit Aussicht.
Brienno
Argengo
Picknick-Platz entlang eines Tunnel-Umfahrung-Radwegs