Sonntag, 31. Mai 2015

Pleiten, Pech und Pannen

PBericht vom Samstag, 29. Mai 2015

Am ersten Tag wurden meine Nerven und Geduld ziemlich strapaziert. Ich blieb erstaunlich ruhig. Was will man sich aufregen? Das Problem bliebe und würde nicht einfacher zu lösen. 

Es fing bereits am Vorabend an. Der Reifen schleift an der hinteren Bremse. Aber nur mit dem anderen Schlauchtyp, den ich am Tag davor noch montiert hatte. Mit dem davor hatte ich keine Platz-, sondern Druckprobleme. Er verlor schleichend Druck. Ich hatte keine Lust täglich zu pumpen oder gar einen schleichenden Platten zu riskieren. Das am einfachsten zu lösende Problem: muss ich halt am Morgen noch einen passenden Reifen organisieren. Dann die Schaltung - schon lange eine Problemzone - lässt sich plötzlich nicht mehr recht einstellen. Zum Glück gibt's nette Velohändler in der Gegend. Also gleich zu Tagesanbruch zum Grassi, wo mir der Chef persönlich die Tour "rettete" und das Problem lösen konnte. Danach war er gar so freundlich und montierte die neu gekauften Reifen (Michelin Lithion 2, 25 Zoll - ein preiswerter, dennoch guter Reifen). 

Rettete in Anführungszeichen deshalb, weil wirklich die Tour gerettet hat mir Moro's Bike in Feuerthalen bei Schaffhausen. Kurz vorher begann nämlich die Kette durchzurutschen am kleinen Kettenblatt vorne. Relativ mühsam, besonders beim Anfahren und an Anstiegen. Aber dann ist dem freundlichen und kompetenten Velomech noch etwas anderes aufgefallen am linken Schalthebel. Er "hebelte" so lange herum bis die Mechanik irreparabel schlapp machte. Die Kette blieb auf dem oberen Kettenblatt stehen. So fies, könnte man jetzt meinen. Doch seine Argumentation war schlüssig: der Hebel wäre später mit Sicherheit so oder so kaputt gegangen. Und mit seiner Hilfe war es möglich, dass die Kette auf dem kleinen Blatt fixiert werden konnte. Möchte mir nicht vorstellen, wie ich dieses oder das erste Problem im polnischen Nirgendwo hätte lösen müssen ... So geschehen passierte dies just zum richtigen Zeitpunkt. 

Dann schaute er sich noch mein extra für diese Reise gebautes "stabile" Hinterrad an und meinte: etwas schwach konstruiert und deutete auf den Seitenschlag ("Acht") hin, welchen ich (noch) nicht bemerkte, später aber auch zu einem ernsten Problem hätte werden können. Daraufhin rief ich Biagio an, mit dem ich in Thailand war und schilderte mein Problem. Schliesslich ist das tadellos aufgebaute Hinterrad von ihm. Nur leider etwas unterdimensioniert für die Anforderung. Denn ohne Zusatzbelastung von rund 6 kg Gepäck läuft es tadellos, bocksteif und sauschnell. Er zögerte keine Sekunde und fragte nach meinem Standort. Schaffhausen sei ja "bloss" 90 Minuten von Nadel entfernt. Er brachte mir das Hinterrad, mit welchem er vor zwei Jahren mit ähnlicher Konstellation unterwegs auf einer längeren Tour war. Eigentlich wollte ich nur um Rat fragen. Fantastischer Service und sehr aussergewöhnlich.

Vielen herzlichen Dank an dieser Stelle an alle Velo-Händler und -Mechaniker! Ihr seid grandios!!!

Gegen 18 Uhr war mein Velo endlich wieder fahrbereit. Nun musste ich ordentlich in die Pedale treten um noch vor Einbruch der Dunkelheit in Sigmaringendorf anzukommen. Dann rebellierte meine Verdauung. Im Hotel angekommen musste ich gleich mehrfach "mich hinsetzen" ;-) So gesehen tauchte auch letzteres Problem zur richtigen Zeit auf ...

Wenig Platz zwischen Reifen und Hinterradbremse. Mit mehr Reifendruck geht's nicht mehr. 

Bereit für die Pannenserie :-)

Kaiserstuhl AG. Unten: der Grenzübergang nach Deutschland. 

Der letzte Satz im Bild oben könnte auch von mir stammen.

Das Velo auf "Operationstisch"

Das abgewetzte Kettenblatt: Am mittleren und dem Zahn rechts davon sieht man die Spuren besonders gut. 

Ein versöhnliches Bild zum Schluss






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