Dienstag, 9. September 2014

Auf Umwegen durch die Schweiz


Den Ruhetag in Bregenz letzten Freitag genoss ich in vollen Zügen, schlenderte ein wenig in der "James Bond"-Stadt mit der imposanten Seebühne umher, machte Höhenmeter für einmal bequem mit der Seilbahn (so müssen sich also Downhill-Biker fühlen :-) und entspannte am Bodensee mit Musik in den Ohren.

Panorama vom Pfänder, dem Hausberg von Bregenz
So war ich am Tag darauf (Samstag, 6. September) gerüstet für einen langen, anstrengenden Tag. Nicht wegen dem klapprigen Velo, das hielt erstaunlich gut und machte nur wenig Geräusche, sondern wegen der Strecke. Bereits der Weg der Hauptstrasse entlang nach Feldkirch zog sich in die Länge, ebenso bis es endlich mit der Steigung losging in Stuben, den Arlberg runter bis Landeck und schliesslich dem Inn entlang via Martina (CH) bis nach Nauders (Total 176 km).

Die Steigung am Arlberg ist recht human, meist näher bei 5% denn bei 10%. Der Verkehr wird dabei von der Arlberg-Autostrasse und dem dazugehörigen Tunnel abgezogen. So hat man die Strasse mehrheitlich für sich. Es sei denn, ein Alpabzug findet gerade statt. Tolle Szenerie! Bunt geschmückte Kühe, junge Burschen in Lederhosen und v.a. hübsche Mädels, die ohne Sättel auf Pferden reiten. Nur die teils frischen Kuhfladen auf der Strasse stören. Ein Klecks hat es gar bis auf's Oberrohr geschafft!

Alpaufzug am Arlberg
Kuh- und sonstiger Dreck an der Hinterbremse
Nach der Passhöhe fällt die Strasse steil runter bis in den Skiort Sankt Anton. Nun zeigte sich auch die Sonne erstmals. In Landeck hatte ich nochmals kurz Halt, stärkte mich mit Glace und einer Cola für den bevorstehenden, zermürbend langen Weg bis zum Tagesziel in Nauders nahe der Schweiz und Italien. Zermürbend deshalb, weil es kaum obsi recht ging. Die soeben gewonnen Höhenmeter wurde gleich wieder zunichte gemacht. Dann noch eine Strassensperre mitten im Nirgendwo. Einzige Möglichkeit wäre über das mehrere Hundert Meter darüber liegende Fliess gewesen. Oder ca. 1h warten. Oder das Fahrverbot ignorieren und "mal schauen gehen". Mit diesen Worten verabschiedete ich mich vom ebenfalls gestrandeten Radler Richtung Baustelle, die angeblich niemand durchlassen würden - auch keine "Fussgänger". Etwa einen Kilometer später dann der Grund für die Strassensperrung: Felsarbeiten. Die Bauarbeiter schienen nicht mehr viel zu tun zu haben. Schliesslich war bald Feierabend. Freundlich fragte ich, ob ich durchgehen könne. Die Antwort war positiv. Freudig drein geschaut hatten sie zwar nicht. Wieder so ein "besserwisserischer", "gesetzbrechender" Velofahrer, der meint, er könne sich alles erlauben. Nun, unrecht hätten sie damit nicht gehabt. Doch letztlich bin ich nur mal schauen gegangen und einfach wieder umzukehren nur um trotzdem zu warten, nachdem ich mich schon bis zur Baustelle vorgedrungen hatte, war irgendwie auch blöd. So lief ich die letzten zwei-, dreihundert Meter bis zum Ende des Fahrverbots um die "Fussgänger-Tarnung" zu wahren.

Die L76 ist gesperrt. Zwei Fehler: es ist nicht die L76 (sondern die B130), der andere ist offensichtlich.
Danach war der Weg frei bis ich auf das nächste Verbotsschild stiess:


Vor diesem nicht sehr Velo-freundlichen Abschnitt, mehrheitlich in Tunnels und Gallerien mit viel Verkehr, habe ich schon gelesen und mich entsprechend mit dem Tragen einer Leuchtweste darauf vorbereitet. Trotzdem hielt sich meine Freude erst in Grenzen für den Umweg über die Schweiz mit Zusatzkilo- und Höhenmetern. Schliesslich hatte ich zu diesem Zeitpunkt bereits etwa 160 km in den Beinen und Znacht gibt es im Hotel auch nicht ewig. Die Umleitung erwies sich aber als gar nicht so schlimm, bzw. recht angenehm zu fahren und zweifellos die bessere Variante. Kaum Verkehr, ein wild-schönes Tal (Inn) und beste Strassen. Da störte es mich auch nicht, dass ich zwangsweise wieder über Schweizer Boden fuhr. Auch die Norbertshöhe von Martina (CH) hinüber nach Nauders ist schön zu fahren. Gut sah man, wie es weiter oben im Engadin regnete. Als ich das Hotel erblickte, spürte ich dann auch die ersten Regentropfen auf meinem Haupt. Für's Essen reichte es dann auch noch. Ich habe glaub noch nie soviel gegessen auf's Mal ...

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