Freitag, 21. Juni 2013

Trotzt Ungewissheit ein perfekter Tag

http://www.velowaerts.ch/2013/06/logbuch-donnerstag-21-juni-2013.html

Wieder einer der Tage, wo einfach alles stimmte: Wetter, Form und Route/Landschaft. Heute morgen (21. Juni, Aosta - Val-d'Isère) erwartete mich strahlend blauer Himmel. Kein Vergleich zum Dauerregen vom Vortag. An den Berggipfeln hingen noch die restlichen Regenwolken. Die Strassen waren zum Teil noch nass, die Temperatur höchstangenehm und die Luft klar. Es sollte ein herrlicher Tag werden. Auf der Fahrt durchs Aostatal und auf den ersten Metern des Anstiegs zum Piccolo San Bermardo fühlten sich die Beine seltsam schwer an, obwohl ich mich gleichzeitig sehr fit fühlte. Der Puls dümpelte irgendwo zwischen 130 und 140, also im Bereich, wo anteilsmässig am meisten Fett verbrannt wird. Gegenmassnahme: Zucker - in Form Schokoloade. Je mehr Zucker in die Blutbahnen gelangte, desto leichter wurden die Beine und desto flotter ging es aufwärts zur Passhöhe auf knapp 2200 Meter. 

Am Vortag hatte ich mir ein paar Hotels in Séez am südwestlichen Ausgangspunkt vom "Kleinen Bernard" ausgesucht, die für eine Nächtigung in Frage kommen könnten. Auf der holprigen Abfahrt entschied ich mich um. Ich fühlte mich immer besser. Obschon ich mit diesem Pass schon in Richtung 2000 Höhenmeter steuerte, war ich kein bisschen müde und war bereit für die knapp 800 Meter hinauf nach Val-d'Isère. Der gewaltige Wintersportort liegt auf halber Strecke zum höchsten Alpenpass, dem Col d'Iséran mit 2770 m. 

Beim Entscheid den halben Iséran zu fahren hatte ich noch keine 100%ige Gewissheit, dass er auch geöffnet ist. Medienberichten zu Folge lag so viel Schnee wie seit 30 Jahren nicht mehr. Vor ein paar Tagen las ich dann diesen Artikel:
http://iceagenow.info/2013/06/alps-iseran-pass-opening-postponed/). Zweifel kamen auf, ob die "Grandes Routes des Alpes" mit meinem Zeitpan vereinbar sei. Jede Internet-Recherche ergab das gleiche: Col d'Iséran fermé! Einzig ein Engländer, der in Chamonix ein Hotel betreibt und die Zwischensaison mit Velo fahren verbringt, meinte vor zwei Tagen: "No, Iseran is open." Aussage gegen Aussage also. Ich vertraute dem Engländer. Dann die Ernüchterung beim offiziellen Strassenschild kurz vor dem Etappenort: fermé. Merde! Kurze Zeit später treffe ich auf eine Gruppe Gümmeler, Deutsch-Schweizer wie sich herausstellte. (Ich kann also noch nicht prahlen mit meinen Französisch-Kenntnissen ;-). Der Iseranpass sei offen. Jedenfalls wäre das Restaurant auf der Passhöhe offen. Die Franzosen würden halt die Schilder nicht rechtzeitig anpassen. Zudem sei das nicht so wie in der Schweiz wo geschlossen auch wirklich geschlossen bedeutet. Die nächste Bestätigung folgte eine Stunde später im "Spar". Die Verkäuferin meinte ungefragt, jetzt wo der Pass offen sei, hätte auch ihr Laden wieder jeden Tag offen.

Mt. Blanc, mit 4810 Metern der höchste Berg der Alpen

Es wird, nein es muss viel gebaut werden am Kleinen St. Bernard

Wiedermal ein Selbstauslöser-Passfoto 

Schneebar?!

Mit genügend Schwung hebt man ab :-)

Der Heilige Bernard

Das Tal der Isère

Noch 37 Sekunden Zeit für die Erholung :-)

Tignes, unterhalb des "Lac de Cervil"-Stausees 

Das Tal der Isère

Val-d'Isère


Logbuch Freitag, 21. Juni 2013

Start: Aosta, Aostatal, I - 580 m
Ziel: Val-d'Isère, Savoie, F - 1800 m
Distanz: 99 km
Fahrzeit: 5h05
Höhenmeter: ca. 2550 m
Pässe: 
- Kleiner St. Bernard, 2188 m: abwechslungsreich, schön, wenig steil (max. 8%, meist 6-7%); Top 5
- halber Col d'Iséran: viel Verkehr, viele Tunnel und Galerien, morgen dann die restlichen 1000 Höhenmeter, offiziell offen seit heute
Energieverbrauch: ca. 2800 kcal
Wetter: ideales Radfahrer-Wetter, ca. 20-25 Grad, sonnig
Highlight: Wetter
Lowlight: Strassenzustand Abfahrt Kl. St. Bernard
Fazit: es macht Spass bei Traumbedingungen und mit toller Form zu radeln 





Donnerstag, 20. Juni 2013

Kalte Dusche

http://www.velowaerts.ch/2013/06/logbuch-donnerstag-20-juni-2013.html

Das war ein kurzer Einsatz heute (20. Juni, Bourg-Saint-Pierre - Aosta). Nach den höchsten je im Juni gemessenen Temperaturen (36.2 Grad in Sitten am Dienstag) bereitete eine Kaltfront dem Schwitzen ein Ende. Nass wurde man heute von aussen. Das Donnergrollen morgens um 7 Uhr verhiess nichts gutes. Danach klarte es zwar über meinem Dominizil auf, doch die Wolken talaufwärts Richtung Passhöhe hielten sich hartnäckig. Von mir aus hätte es auf den erstem 8 Kilometern ruhig auch regnen können. Ab der letzten Ortschaft bis zum Tunnel bzw. zum Beginn der eigentlichen Passstrasse verläuft die Strasse durchgehend in einer Galerie. 

Die Galerie ist fertig, die Lastwagen verschwinden im Tunnel und man befindet sich vor den schlimmsten 600 Höhenmetern der Tour, ja dem bislang krassesten Erlebnis auf zwei Rädern. Es regnet. Es windet. Es ist kalt. Die Regenjacke hält nicht dicht. Man weiss nicht recht, was das soll, warum man sich das antut. "Da musst du jetzt durch bzw. rauf", sagte ich mir. "Alles wird ein Ende haben." Eine kleine Stärkung im Hospiz (Warme Schoggi). Ausser mir noch eine Gruppe Engländer, die ich am Tag davor im Hotel kennen gelernt habe, und eine Gruppe Bauarbeiter. Mehr Angestellte vom Café/Shop als Gäste. Später kommt noch ein Herr mit seinen schönen Huskies vorbei. Die Angestellten haben ihre helle Freude und die Handy-Kameras werden gezückt. Vermutlich ihr Highlight an diesem trüben Tag. Auch der Hundebesitzer ist sichtlich stolz. Und das an dem Ort, wo die berühmten Bernadiner-Hunde herkommen.

Mein Highlight liegt 1800 Meter weiter unten. Dort kommt zwar auch Wasser raus, ist jedoch warm und danach duftet man wieder frisch. Um das zu erreichen muss ich auf den ersten Meter die Strasse beinahe suchen. Grade mal drei Mittelstreifen weit sieht man. Zu Beginn zeigt das Thermometer 3 Grad an. Es regnet noch stärker als beim Aufstieg. Mit grösster Vorsicht nehme ich die zahlreichen Kurven. Die Bremshebel sind stets gezogen. Die Finger sind bestimmt schon Blau vor Kälte. Es wird langsam wärmer. Ich freue über 7 Grad. Bald wird's gar zweistellig. Ein kleiner Freudenschrei. Doch durchnässt bin immer noch. Früher als erwartet (der Höhenmeter funktioniert nicht bei Nässe) komme ich in Aosta an. Hotel suchen, einchecken und das Highlight geniessen.

Verregnete Passhöhe am Grossen St. Bernard

Das hätte man sich glaub sparen können heute

Morgen muss alles wieder trocken sein