Dienstag, 24. September 2013

Von den drei Quellen

Am heutigen Dienstag, 24. September fühlte ich mich drei Monate zurück versetzt. Ich kam mir vor, wie auf meiner Alpentour im Juni. Im Schwarzwald kann es ziemlich steil werden. Auf dem Weg von Freiburg im Breisgau hinauf zur Donauquelle oberhalb Furtwangen stellte sich ein 600 Höhenmeter-Anstieg in den Weg mit zum Teil 12%-igen Rampen (vergleichbar mit dem Albulapass ab La Punt!). Donauquelle? Nein, die Donau heisst erst ab Donaueschingen "Donau" beim Zusammenfluss von Breg und Brigach. Dort beginnt auch die Kilometrierung, bzw. endet sie. Meiner Meinung nach dürfte sie gar nicht Donau heissen. Denn der namensgebende Donaubach entspringt beim Schloss in Donaueschingen, fliesst dann nach wenigen Dutzend Metern in die Brigach. (Das ist etwa wie, wenn der Däniker Dorfbach den Namen des Rheins bestimmt hätte :-)

Solche Gedankenspiele sind mir fern. Seit einiger Zeit gilt die Quelle der Breg als hydrologische Quelle der Donau. So ist es quasi meine Pflicht, bevor ich zur Kür antreten darf, die Quelle des längsten Flusses des Abendlandes zu besuchen. Diese liegt auf knapp 1100 Meter über Meer bei der Martinskapelle 6 Kilometer oberhalb Furtwangen und bloss 100m entfernt von der Wasserscheide zum Rhein/Nordsee. (Doch auch das mit der Wasserscheide ist so eine Sache, mehr dazu im Blog-Eintrag vom Folgetag.)

Theoretisch geht es von der Breg-Quelle nur noch runter bis an mein Ziel; also gut Schwung holen, Bremsen lösen, Griff in den Unterlenker und Rollen lassen bis Wien :-) Geht natürlich nicht bei einem Durchschnittsgefälle von ca. 0.1%. Das wären 1mm auf einen Meter! Vor allem dann nicht, wenn man in Donaueschingen die "Donauquelle" (die vom Bach) sucht, und nach einiger Irrfahrt feststellen muss, dass diese grad renoviert wird. (Natürlich die Anlage drum herum, nicht die Quelle selbst.) Nach weiterer Irrfahrt durch Feld- und Wiesen bin ich dann endlich am riesig grossen "Camping an Riedsee" angekommen. Die Dame von der Rezeption ist offenbar trotzdem nicht Vollzeit ausgelastet: "Aarau" - das kenn' aus Kreuzworträtsel!"

Das erste Flusskraftwerk der Breg, bzw. Donau

Die Breg-Quelle gilt hydrologisch als Quelle der Donau

Rechts der Bildmitte entspringt die Breg. Links die Martinskapelle, dazwischen ein Gasthof.

Zusammenfluss von Breg und Brigach nach Donaueschingen
Strecke: Freiburg i. Brsg. - Buchenbach - Hexenloch (!) - Furtwangen - Breg-Quelle - Donaueschingen, ca. 120 km (weiss nicht genau, mein GPS ist ausgestiegen), ca. 1400 Hm
Datum: Dienstag, 24. September 2013


Montag, 23. September 2013

Energiewende zum Guten

Am Vortag meiner Tour (Sonntag) hatte ich noch einiges auf meiner ToDo-Liste. Zum Beispiel stand da drauf: "The Plug II" testen. Beim "Plug" handelt es sich um eine USB-Buche an Stelle des Steuersatz-Deckel. Zusammen mit einem Nabendynamo kann man so elegant unterwegs seine stromhungrigen Gerätschaften wie iPhone, GPS und Kamera laden. Die paar Watt, die dafür drauf gehen, liegen im tiefen einstelligen Prozentbereich der Netto-Leistung meiner Beine - also kaum der merklich. (Ausser bergauf, da schalte ich das Teil ab - schon rein psychologisch fährt.) Dafür ist man unabhängig von jeder Steckdose. Zumindest für USB-fähige Geräte - für Laptops wird's wohl nie reichen :-(

Nur, weder iPhone, noch das Garmn-GPS wollten laden. Mist! So ein USB-Lader war ein Must-Have für's neue Rad. Dabei hatte am Samstag davor das grüne Lämpchen noch hell geleuchtet und so signalisiert, ich habe Strom für dich. Nur an diesem sonnigen Sonntag wollte nichts mehr laden. Kurzerhand plante ich einen kleinen Umweg ein über Basel zum Shop, wo ich das Rad aufbauen liess. Die Stimmung war ziemlich im Keller.

Doch ein kompetener und kulanter Velo-Händler ist Gold wert in einer solchen Situation. Ein herzliches Danke Schön an dieser Stelle!!! (Dauernd im Flugmodus - nein, das will ich nicht.) Nicht nur dass er eine passable Alternativ-Lösung in bloss knapp einer Stunde realisierte, er spendierte mir sogar noch zwei Lunch-Checks im Wert von Total 10 SFr., inkl. Restaurant-Tipp. Ich fahre zwar nun mit einem "Plaschtikk-Bomber" rum (Der Händler ist ein Schwabe...), dafür funktioniert die USB-Buche tadellos. Und neben dem normalen Licht habe ich nun Fernlicht und Panorama-Nahlicht; steuerbar per kleinem Schalter am Vorbau. Funktioniert tadellos: bislang musste ich nie an die Steckdose. Das soll auch bis Wien so bleiben.

Links: Steuersatz-Deckel.
Rechts: durchgebrannter Kondensator, der sich im Innern des Steuersatzs (= "Gabel-Schaft") befindet.
Zitat vom Velo-Händler: "Das muss ich gleich dem Hersteller melden!"

Meine persönliche Energieversorgung war trotz anständigem Mittagessen mangelhaft. So hatte ich ab Neuenburg im Breisgau doch etliche Mühe, gehen den "blöden" Nordwind zu strampeln. Ein paar Trauben von einer am Weg liegenden Rebe schafften Abhilfe. Zudem unterschätzte ich wohl das Radeln mit Gepäck (ca. 18 kg): Nach der Alpentour dachte ich, so eine flache Strecke kann meinen Beinen nichts anhaben. Doch an jedem Hügeli und jedem Anfahren merkt man die Zusatzkilos ...


Mein neues "Hilite": Theon Alu Randonneur 

Flusskraftwerk bei Winznau
Strecke: Aarau - Basel - linkes Rheinufer - Freiburg i. Breisgau, ca. 140 km, 800 Hm - Datum: Montag, 23. September 2013

Neues Velo, neue Tour

Soeben bin ich auf meine vierte grössere Radtour gestartet. Noch nie habe ich für eine Tour das gleiche Velo zweimal verwendet. Mein Beitrag an die Fahrrad-Industrie ist beachtlich :-) Letzten Samstag - zwei Tage vor Tourstart - durfte ich mein neustes Gefährt abholen. Etwas riskant sei es schon, meinte der sympathische und kompetente Besitzer von Hilite Bikes, direkt nach dem Erwerb auf eine grössere Tour zu gehen - er sollte Recht behalten: mehr dazu später ...

Lange war ich nicht sicher, ob ich überhaupt noch in diesem Jahr auf eine weitere Tour gehen sollte. Vom ursprünglichen Plan, zwei Monate durch den "nahen Osten" (Donau bis Serbien, dann Griechenland und via Adria zurück) zu radeln, wandte ich mich schon bald nach der Rückkehr meiner Alpentour ab. Zu gesättigt war ich. Anstatt mich um Reisevorbereitung zu kümmern (Tourenrad evaluieren, "Outdoor"-Ausrüstung besorgen, Routenwahl) fuhr ich nach der Rückkehr aus Nizza kreuz und quer durch die Schweiz - natürlich blieb so die Sättigung entsprechend hoch. Ich konnte beinahe alle Dinge auf meiner "Nice-to-do"-Liste abhaken (Grosse Scheidegg, Stilfser Joch, Tremola, Ofen-, Umbrail-, Nufenen-, Klausen-, Sustenpass, ...). Auch im Geschäft gab es noch einige Deadlines einzuhalten. So verspührte ich Mitte August keine grosse Lust auf eine weitere grössere Tour zu gehen. Trotzdem hab ich mich gegen Ende August entschieden, endlich ein Randonneur-Reise-Velo bei besagtem Shop in Basel zu besorgen.

Doch eine schöne, machbare, befriedigende Tour fehlte noch. Nördlich der Alpen ist das Wetter gegen Ende September "riskant". Es kann herbstlich unangenehm werden. Doch nicht so in diesem Jahr: mind. für diese Woche ist fantastisches Altweiber-Sommer-Wetter vorausgesagt. Nach Barcelona wäre ein Möglichkeit gewesen. Aber suche mal nach Zugverbindungen von Barcelona in die Schweiz und du weisst weshalb ich mich dagegen entschieden habe. Das meiste geht über Paris und ab da in Velo-Unfreundlichen TGV und beinhaltet mind. drei Mal umsteigen. Luftfracht möchte ich meinem neuen Drahtesel (noch) nicht zumuten. An der Adria wäre es um diese Jahreszeit sicher auch schön (warm). Aber auch hier stellte sich das Problem der Hin- und Rückreise: Fähre und Zug - aber dann ist man mehrere Tage unterwegs.

Schliesslich sollte es der Donau-Radweg nach Wien werden - den "Wiener Walzer" kenne ich ja bereits ;-)